Das Projekt

 

Das Projekt ‚Jüdisch in Fürth‘ erstrebt eine breite Dokumentation der jüdischen Bevölkerung Fürths vom 17. bis ins 20. Jahrhundert.

Die Präsentation setzt sich aus vier Bereichen zusammen, die unterschiedliche Inhalte umfassen:

  • eine umfangreiche Personendatenbank mit biographischen Angaben und Referenzen zu den Lebensschicksalen der Juden in Fürth. Die Datenbasis dafür bilden
    • eine Aufstellung der rund 20.000 Personen, die von 1607 bis 1935 auf dem alten jüdischen Friedhof bestattet wurden, meist mit biographischen Hinweisen (momentan noch nicht implementiert);
    • eine Aufstellung der rund 1080 Personen, die ab 1906 auf dem neuen jüdischen Friedhof in Fürth bestattet wurden. Die Personendatensätze verweisen auf die Buchpublikation von Gisela Naomi Blume: Der neue jüdische Friedhof in Fürth. Geschichte - Gräber – Schicksale. Nürnberg 2019 (Personengeschichtliche Schriften, 12) - dort sind in aller Regel ausführliche biographische Angaben, Quellen- und Literaturangaben enthalten;
    • eine Aufstellung von über 1100 Fürther Opfern der Shoah mit detaillierten Biographien und oft auch Fotografien;
  • eine Chronik jüdischen Lebens in Fürth von der Frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert mit zahlreichen Abbildungen;
  • eine Aufstellung von Orten, die für die jüdische Kultur in Fürth stehen;
  • Lebenserinnerungen, die einen unmittelbaren Einblick in das Erleben der Verfolgungen in den 1930er/40er Jahren bieten. Die Angaben sind auf Wunsch der Verfasserin bis auf weiteres anonymisiert. Eine Erweiterung durch weitere Lebenszeugnisse ist möglich.

Die Forschungen über die „Heilige Gemeinde Fürth“ waren seit 2010 unter der URL www.juedische-fuerther.de im Internet einsehbar. Da sich die Pflege der Daten dort aus technischen und organisatorischen Gründen als sehr schwierig erwies, werden die in vielerlei Hinsicht ergänzten und aktualisierten Nachweise in veränderter Form seit 2021 an dieser Stelle zur Verfügung gestellt. Sie sollen auch künftig ergänzt und erweitert werden.

 

Hintergründe

Einer Wanderreise nach Nordspanien im Sommer 1990 verdankt die Verfasserin eine grundlegende Änderung ihres Lebens. Ein Mitreisender faszinierte sie durch Schilderungen der jüdischen Geschichte seiner Heimat derart, dass sie nach der Rückkehr das Buch „Kleeblatt und Davidstern“ mit großem Interesse las, in dem Barbara Ohm die fortschreitenden Verluste im alten jüdischen Friedhof durch Verwitterung beklagte. Es entstand der Wunsch, die Grabsteine umfassend zu dokumentieren und damit einen Beitrag zum Erinnern zu leisten, der in der jüdischen Glaubenspraxis einen hohen Stellenwert besitzt. Seither versteht die Verfasserin ihre Arbeit hauptsächlich als Dienstleistung für die Nachkommen, die sie bei Besuchen und Fragen zur Familienforschung kontaktieren. Das inzwischen vergriffene Buch Der alte jüdische Friedhof in Fürth (2007) mit Kapiteln über jüdische Riten bei Tod und Begräbnis, die Totenbruderschaften und die Geschichte des Areals bot nähere Informationen zu den Gräbern und Lebensumständen einiger hundert dort Ruhender.

In diesem Zusammenhang standen auch die Recherchen für das 1997 eingeweihte Denkmal für die Fürther Opfer der Shoah. Die in der Halle des neuen jüdischen Friedhofs angebrachten Tafeln dokumentierten damals 886 Namen, das Memorbuch enthielt alle verfügbaren Informationen und Fotos der Opfer. 2009 konnten Tafeln mit den Namen von 228 nachträglich gefundenen Opfern angefügt werden.

Der 2001 nach jahrelangem intensivem Unterricht in jüdischer Religion im Hauptrabbinat Jerusalem ins Judentum aufgenommenen Verfasserin gelang es als 1. Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Fürth ab 2004, die unter Denkmalschutz stehende Halle im neuen Friedhof, deren Einsturz drohte, mithilfe offizieller Stellen sowie christlicher und jüdischer Sponsoren in alter Pracht wiederherstellen zu lassen. Das würdigten die bayerische Staatsregierung und der Bezirk Mittelfranken mit Denkmalschutzpreisen. Nachdem sie 2008 den Vorsitz niedergelegt hatte, dokumentierte sie die jüdischen Friedhöfe Obernzenn (2013), Uehlfeld (2017) und zuletzt den Neuen jüdischen Friedhof in Fürth (2019), wobei jeweils auch die Grabsteine gereinigt wurden. Die drei umfangreichen Bücher, die auf der Verarbeitung zahlreicher Quellen in regionalen und internationalen Archiven beruhen, sind bei der Gesellschaft für Familienforschung in Franken publiziert worden.

Der Dank der Verfasserin gilt Herrn Tobias Bauer und Herrn Prof. Dr. Werner Wilhelm Schnabel, die die Veröffentlichung in dieser neu gestalteten Form möglich gemacht haben.